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3 Schritte die du gehen kannst, wenn keine Entscheidung die richtige zu sein scheint.

Stell dir vor, es ist Freitag Abend, du hast Feierabend und genug Kohle auf deinem Konto um alles was dich interessiert auch tatsächlich zu tun. Wenn du anfängst Pläne für den Abend zu machen wirst du scheinbar überwältigt von den unendlichen Angeboten. In der Stadt oder in einer anderen Stadt. Alleine oder in der Gruppe. Neues Restaurant oder italienischer Klassiker? Karaoke oder Konzert? Verreisen oder zu Hause einschließen und zocken? Vier geile Parties von vier großartigen Stars der Szene. Doch je länger du über deine Planung nachdenkst, desto mehr bekommst du das Gefühl dich zerreißen zu müssen, um all dies zu erleben.

Kennst du diese Situationen auch? Jetzt gerade sind für einen kurzen Augenblick im Sommer, beinahe alle Dinge (trotz Corona) wieder erlaubt. Neben deinen Lieblingsclubs, Lieblingsrestaurants, Shops und so weiter entstehen jeden Tag neue Angebote die dich noch mehr in Entscheidungssituationen zwingen. Doch die Qual der Wahl bringt dich zur Weißglut, denn jedes neue Angebot hat ja seinen ganz eigenen Reiz auf dich, oder? Und dann ist dort nur scheinbar dieses kleine, sehr begrenzte Fenster wo das alles erlaubt ist, bevor es im Herbst wieder (vermutlich) in den harten Lockdown geht. Klar ist, deine Entscheidung muss die richtige sein. Oder?

Über die Potenzialität

In Deutschland und einigen Teilen Europas leben wir grundsätzlich in einer Gesellschaft, die überdurchschnittlich wohlhabend ist. Wohlhabend in punkto Pro-Kopf-Einkommen, Kommunikationswege, Reisemöglichkeiten, Arbeitsplätze mit hohen Einkommen, Zugang zu Bildung und Weiterentwicklung, Vielfältigkeit der Gesellschaft und politischer Demokratie (Liste nicht abschließend). Deutschland gehört hierbei zu den weltweiten Top 10 (Platz 6, in 2021). Das eröffnet uns jede Menge Rahmenbedingungen, die Menschen zufrieden machen. Ganz anders sieht es in afrikanischen Ländern aus, die meisten führen das Ende der UN-Liste an (Quelle siehe am Ende). Wenn ich darauf mal die Bedürfnispyramide von Maslow anwende, heißt dass, dass wir (durchschnittlich betrachtet) unsere fundamentalen Bedürfnisse in Deutschland gut abdecken können. Viele von uns (leider nicht alle) sind daher grundsätzlich in der Lage sich selbst zu verwirklichen und die höchste Stufe der Pyramide (“Selbstverwirklichung”) zu erreichen. Nur in dieser Stufe, kann es zur so genannten Potenzialität kommen. Nur hier erlauben wir uns selbst, (fast) alles in unserem Leben für möglich zu halten.

Dieser Wohlstand bringt eine gewisse Sorglosigkeit mit sich. Oder wohl besser andersrum. Unsere Sorglosigkeit bringt uns einen gewissen Wohlstand. Müsste man mal diskutieren. Wie auch immer – wir haben an sich schon enormen Komfort, der uns wiederum viel Zeit für Schönes ermöglicht. Wir können einfach unsere schmutzige Wäsche in die Maschine werfen, das Programm auswählen und 2 Stunden einfach etwas freudigeres Machen als wie früher irgendwo an einen Fluss zu gehen und mit Steinen den Schmutz rauszuschlagen.

Dann sind wir unfassbar gut vernetzt und informiert als früher. Informationen über neue Sachen (oder besonders angesagte) erreichen uns manchmal in Millisekunden. Das heißt vielleicht ein neuer Club, ein weiterer Freund der heute eine geile Mottoparty gibt, ein neues Trend-Getränk was man trinken muss, bestimmte Worte die man von nun an nicht mehr sagt, und so weiter. Du weißt dass deine Zeit wertvoll ist. Entweder die Zeit ohne Lockdown oder Verbote oder ganz allgemein deine Lebenszeit. Das heißt du hast irgendwo in deinem Kopf eine Liste, die dir vielleicht sagt: “Zum Machu Picchu wolltest du dieses Jahr aber auch noch”.

Die Potenzialität ist bei den meisten Menschen ein diffuser Raum in dem alle möglichen Wünsche herumschwirren. Und alles Dinge, die auch tatsächlich jetzt gerade oder in Zukunft für dich realistisch betrachtet möglich sind. Die Potenzialität wird aber auch gerne ausgenutzt um einen Konsumdruck aufrecht zu erhalten. Uns wird vorgegaukelt, wir könnten überall auf der Welt sein und würden dann dieses oder jenes erstrebenswerte Gefühl haben. Auch so transportiert als würde Zeit, Raum, Geld und Möglichkeiten keine Rolle spielen. Und sofern es nicht darum geht, auf dem sozialen Kanal von Peru Bilder zu swipen, gibt es eben doch eine Sache, die dir immer wieder einen Strich durch die Rechnung machen kann:

Die Realität

Was ist also die Realität? Was können wir tatsächlich leisten? Wir können körperlich in einem Augenblick an einem einzigen Ort sein. Buff – das ist die ganze Realität. Wir können die Zeit die wir dort verbringen auch nur einmal erleben. Das heißt konkret gesagt: Wir haben einmal pro Nacht vielleicht insgesamt acht Stunden zur Verfügung. Und wir können diese Zeit beliebig aufteilen, aber wir haben sie eben nur einmal. Wenn es vier spannende Gelegenheiten zum Feiern gibt, dann kannst du theoretisch zwei Stunden auf jeder von ihnen verbringen. Jede andere mathematische Konstellation ist natürlich eben denkbar. Doch wirst du letztlich diese mathematische Formel nicht beugen können. Und wie genussvoll wird diese Nacht tatsächlich sein (falls dir das wichtig ist)? Das steht auf einem anderen Blatt Papier.

Schritt Nr. 1: Die “richtige” Entscheidung

Photo by Andrej Lišakov on Unsplash

Das ist der erste Stressor. Was heißt denn richtig? Wie würde “falsch” dann aussehen? Dieser Druck (unbedingt) die richtige Entscheidung treffen zu wollen, liegt wohl darin, dass dir der Wert deiner (Lebens-) Zeit bewusst ist (das ist toll!) und du bestimmte Optionen wirklich reizvoll findest. Doch dann stresst du dich damit total. Sich in diesem Fall die Realität vor Augen zu führen hilft schon mal etwas. Vielleicht geht es soweit, dass du Perfektionist*in bist und deshalb nicht damit leben könntest, dich hier “falsch” zu entscheiden. Falsch könnte in deinen Augen sein, dass du dich für die doofe Party aus allen vieren entschieden hast – und dann nicht mehr genug Zeit auf den tollen Parties verbringen kannst. Und vermutlich würdest du dir das den ganzen Abend vorwerfen. Dann würde ein neuer endloser Kreislauf beginnen, weil du dann noch mehr grübeln würdest, um noch besser die Entscheidung zu treffen. Und bupp erlebst du diese Situation schon wieder weniger tief und erfüllend.

Also was kannst du tun, wenn du wieder einmal in diesem Dilemma steckst? Die Lösung steckt in diesem Fall in der Auflösung dieser unerträglichen Pattsituation. Entweder weil du nicht mehr so unbedingt die richtige Entscheidung treffen willst, oder weil du in jeder deiner Optionen die richtige Entscheidung sehen kannst.

Konkret kannst du das so machen: Löse dich von Begrifflichkeit wie richtig, falsch, gut, schlecht, etc. Das sind Wertungen und die machen es in dem Fall extraschwer. Hilfreiche Gedanken solltest du dir über die Konsequenzen deiner Optionen machen. Welche Konsequenzen gehören quasi zwangsläufig zu den jeweiligen Optionen. Und am Ende entscheidest du dich für die Option, die die meisten positiven von dir gewünschten Konsequenzen hat. Oder die wenigsten negativen Auswirkungen auf dich. Du triffst

Schritt Nr. 2: Eine Entscheidung mit Konsequenzen

Entscheidungen werden dadurch langsam (oder nie getroffen), weil wir irgendwie versuchen bestimmte Konsequenzen zu vermeiden. Beispielsweise sagen Kinder gerne sowas wie: “… aber ich will das UND das”, selbst wenn diese beiden Dinge unvereinbar sind. Im Erwachsenenalter kann das im Beispiel mit den vier Parties in einer Nacht bedeuten, dass du vielleicht entscheidest auf eine einzige Party zu gehen, auch wenn das heißt, eben die anderen drei zu “verpassen” oder Freunde nicht anzutreffen, die du länger nicht gesehen hast. Denk dran: Die Entscheidung hast du nach vernünftiger, überlegter Abwägung aller Optionen und Konsequenzen getroffen. Und eine Entscheidung FÜR etwas ist oftmals auch eine Entscheidung GEGEN viele andere Dinge. Kein Grund deshalb dich schlecht zu fühlen.

Schritt Nr. 3: Bleib bei deiner Entscheidung

Photo by Brett Jordan on Unsplash

Mal angenommen, du hast dich dann dafür entschieden, auf eine von den vier Parties zu gehen. Schließlich wäre es zwar möglich auf alle vier Parties zu gehen, jedoch hättest du dich durch die ganze Stadt hetzen müssen, und darauf hast du keine Lust. Du wirst gute Gründe gefunden haben. Viele zweifelnden Menschen sind dann selbst auf dieser einen Party nicht vollständig vor Ort, sondern grübeln dann bereits darüber nach ob das wirklich die richtige Entscheidung war. Vielleicht bereuen sie dann ihre Entscheidung. Und statt den Moment, diese Party, die Menschen dort, die Kunst, oder was auch immer, wirklich vollständig aufzusaugen, verlieren sie sich erneut in endlosen Gedanken und genießen diesen Abend nicht. Nächsten Morgen stellst du dann vielleicht fest, dass du eigentlich auf keiner der vier Parties WIRKLICH gewesen bist. Das ist dann das Gefühl was vielleicht von dir als verschwendete Lebenszeit beschrieben werden könnte.

Kommt es also dazu, dass du dich dabei erwischst wie du über deine Entscheidung grübelst, kannst du direkt wieder damit aufhören und dich eher fragen wie du nun aus dieser Situation das maximal positive herausholen kannst. Du könntest vielleicht doch noch mal an die Bar gehen, den DJ um andere Musik bitten, dem nervigen Typen klarmachen dass du wirklich kein Interesse hast oder dich auf die Menschen stürzen die dir völlig Fremd sind und tolle neue Freunde sein könnten. Bleib bei deiner Entscheidung, denn du hast sie solide und wohldurchdacht getroffen.

Quellen: 1) United Nation (UN) Human Development Insights, heruntergeladen 04.08.22

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